Blut-Calprotectin bei CED entwickelt sich zunehmend zu einem vielversprechenden Biomarker für Diagnose, Verlaufskontrolle und Rückfallvorhersage. Aktuelle Studien zeigen, dass Messungen aus Serum und Plasma in bestimmten klinischen Situationen sogar eine höhere Aussagekraft als Stuhl-Calprotectin erreichen können.
Calprotectin wird in Blutproben bereits als Marker zur Diagnose entzündlicher Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, Infektionen, Sepsis und rheumatischer Erkrankungen eingesetzt. Besonders vielversprechend ist Blut-Calprotectin bei der Erkennung stiller, chronischer Entzündungen, bei denen andere etablierte Entzündungsmarker wie CRP häufig nicht erhöht sind.
Die Diagnose und Verlaufskontrolle chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa (CU) und Morbus Crohn (MC) erfolgt bislang häufig mittels Koloskopie sowie der Bestimmung von Calprotectin im Stuhl. Die Gewinnung von Stuhlproben wird jedoch von vielen Patienten als unangenehm, aufwendig und belastend empfunden. Darüber hinaus stellen die damit verbundenen Prozesse und Kosten eine Herausforderung für das Gesundheitssystem dar.
Aktuelle wissenschaftliche Studien zeigen zunehmend, dass Blut-Calprotectin bei CED – insbesondere in Serum und Plasma – ein zuverlässiger und in vielen Fällen sogar überlegener Marker für Diagnose, Verlaufskontrolle und Rückfallvorhersage sein kann. Dadurch könnte die Blutmessung eine deutlich patientenfreundlichere Alternative zur Stuhlprobe darstellen.
Was ist Blut-Calprotectin und warum ist es für CED relevant?
Calprotectin ist ein Entzündungsmarker, der von aktivierten Immunzellen freigesetzt wird. Die Konzentration steigt bei entzündlichen Prozessen im Körper an und wird seit Jahren erfolgreich zur Diagnostik akuter, chronischer und stiller Entzündungen eingesetzt.
Während Calprotectin bei entzündlichen Darmerkrankungen bisher überwiegend aus Stuhlproben bestimmt wurde, zeigen aktuelle Daten, dass auch Blutproben – insbesondere Serum und Plasma – hervorragend als Probenmaterial geeignet sind. Weitere Informationen zu Calprotectin in Serum und Plasma finden Sie auf unserer Produktseite.
Welche Vorteile bietet Blut-Calprotectin gegenüber Stuhl-Calprotectin?
Die Bestimmung von Blut-Calprotectin bei CED bietet mehrere entscheidende Vorteile:
- deutlich angenehmere Probengewinnung für Patienten
- einfacher Transport und bessere Handhabung
- Integration in bestehende Blutabnahmen möglich
- schnelle und standardisierte Präanalytik
- hohe Aussagekraft bei vielen CED-Formen
- in bestimmten Situationen bessere Korrelation als Stuhl-Calprotectin
Insbesondere bei Verlaufskontrollen und der Vorhersage von Krankheitsschüben zeigte Blut-Calprotectin in mehreren Studien eine besonders hohe klinische Relevanz.
Kann Blut-Calprotectin bei CED die Diagnosestellung verbessern?
Wie aussagekräftig ist Plasma-Calprotectin bei Colitis ulcerosa?
Mehrere aktuelle Studien zeigen, dass Plasma- und Serum-Calprotectin bei Colitis ulcerosa sehr gut mit endoskopischen Befunden, Symptomen und klassischen Entzündungsmarkern korrelieren.
Eine Studie von Hou D. (2025) zeigte, dass Plasma-Calprotectin bei endoskopisch nachgewiesener CED signifikant erhöht war und eng mit Symptomen, CRP und fäkalem Calprotectin korrelierte. Besonders stark war die Aussagekraft bei Colitis ulcerosa.
Auch Malham et al. (2019) bestätigten eine starke Korrelation sowohl im Plasma als auch im Serum.
Salmanoğlu et al. (2024) zeigten zudem, dass Serum-Calprotectin bei der Diagnose von Colitis ulcerosa vergleichbar oder sogar besser als etablierte Marker wie CRP oder VEGF war.
Fazit bei Colitis ulcerosa:
Bei Colitis ulcerosa sind Serum- und Plasma-Calprotectin mindestens gleichwertig zur Stuhlmessung. Einige Studien zeigen sogar Vorteile für Plasma-Calprotectin.
Ist Blut-Calprotectin bei Morbus Crohn genauso zuverlässig?
Bei Morbus Crohn zeigte sich ein differenzierteres Bild.
Kamp KJ. (2025) fand bei allgemeinem Morbus Crohn eine stärkere Aussagekraft des Stuhl-Calprotectins. Gleichzeitig zeigte die Studie jedoch, dass bei isolierter Ileum-Beteiligung Calprotectin im Blut – insbesondere im Plasma – besser mit dem histologischen Befund korrelierte als Stuhl-Calprotectin.
Fazit bei Morbus Crohn:
Bei ilealem Morbus Crohn kann Plasma-Calprotectin dem Stuhlmarker überlegen sein.
Eignet sich Blut-Calprotectin zur Verlaufskontrolle bei CED?
Kann Blut-Calprotectin aktive Erkrankungen von einer Remission unterscheiden?
Mehrere Studien zeigen, dass Plasma-Calprotectin besonders gut geeignet ist, aktive Entzündungen von einer Remission zu unterscheiden.
Honap S. (2025) beschrieb Plasma-Calprotectin bei Colitis ulcerosa als exzellenten Marker zur Beurteilung der Krankheitsaktivität – sogar überlegen gegenüber hsCRP.
Auch Malham et al. bestätigten die hohe Aussagekraft von Plasma-Calprotectin bei aktiver Colitis ulcerosa.
Bei Morbus Crohn zeigte Mori A. (2021), dass Serum-Calprotectin bei aktiver Erkrankung signifikant erhöht war und mit CRP sowie der Thrombozytenzahl korrelierte.
Fazit zur Verlaufskontrolle:
Plasma- und Serum-Calprotectin eignen sich hervorragend zur Überwachung der Krankheitsaktivität chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen und zeigen teilweise eine bessere Aussagekraft als klassische Blutmarker.
Kann Blut-Calprotectin Rückfälle bei CED frühzeitig vorhersagen?
Besonders vielversprechend ist die Messung von Blut-Calprotectin bei der Vorhersage von Krankheitsschüben.
Kessel C. (2021) zeigte, dass Serum-Calprotectin bei Patienten mit späterem Rückfall signifikant erhöht war, während Standardmarker wie CRP oder Leukozyten keine vergleichbare Aussagekraft hatten.
Kalla R. (2016) fand zusätzlich, dass Serum-Calprotectin – im Gegensatz zu Stuhl-Calprotectin – mit der Schwere der Erkrankung korrelierte.
Fazit zur Rückfallvorhersage: Serum-Calprotectin könnte ein besonders wertvoller Marker sein, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen und Therapien rechtzeitig anzupassen.
Welche Rolle spielt Blut-Calprotectin bei Kindern mit CED?
Auch bei Kindern mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zeigte Serum-Calprotectin eine hohe Aussagekraft.
Leach ST. (2007) bestätigte, dass Serum-Calprotectin sowohl zur Diagnosestellung als auch zur Beurteilung der Krankheitsaktivität bei pädiatrischen Patienten geeignet ist.
Blut-Calprotectin bei CED: Was zeigen die aktuellen Studien?
Die aktuelle Studienlage zeigt klar, dass Blut-Calprotectin – insbesondere in Serum und Plasma – ein leistungsfähiger Marker für Diagnose, Verlaufskontrolle und Rückfallvorhersage bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist.
In vielen klinischen Situationen zeigte Blut-Calprotectin:
- eine vergleichbare Aussagekraft wie Stuhl-Calprotectin,
- eine bessere Patientenfreundlichkeit,
- eine einfachere Probenlogistik,
- und teilweise sogar bessere klinische Korrelationen als Stuhl-Calprotectin oder klassische Entzündungsmarker.
Besonders Plasma-Calprotectin bei Colitis ulcerosa sowie Serum-Calprotectin zur Rückfallvorhersage stellen vielversprechende neue diagnostische Ansätze dar. Für eine optimale Aussagekraft bei der Diagnosestellung sollte die Auswahl des Probentyps Serum oder Plasma an die jeweilige Fragestellung angepasst werden.
Die vorliegenden Daten unterstreichen das Potenzial von Blut-Calprotectin bei CED als patientenfreundliche und klinisch relevante Alternative zur klassischen Stuhluntersuchung.
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Blut-Calprotectin entwickelt sich zu einem wichtigen Biomarker in der modernen Klinischen Chemie und eröffnet neue Möglichkeiten für eine patientenfreundliche und präzise Diagnostik.
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