• CRP und Procalcitonin (PCT) im Vergleich

CRP oder Procalcitonin (PCT): Wann ist welcher Marker sinnvoll?

Die differenzierte Beurteilung entzündlicher Prozesse gehört zu den häufigsten und zugleich anspruchsvollsten Aufgaben der klinischen Diagnostik. Insbesondere bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion stellt sich die Frage, welcher Biomarker für die jeweilige Situation die höchste zusätzliche Aussagekraft bietet. Neben dem seit Jahrzehnten etablierten C-reaktiven Protein (CRP) hat sich Procalcitonin (PCT) vor allem bei systemischen bakteriellen Infektionen und im Rahmen definierter Antibiotic-Stewardship-Strategien etabliert.

CRP und Procalcitonin bilden jedoch nicht denselben pathophysiologischen Prozess ab. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer biologischen Regulation, zeitlichen Dynamik, diagnostischen Spezifität und klinischen Einsatzgebiete. PCT ist daher nicht grundsätzlich das „bessere CRP“. Ebenso wenig kann CRP in jeder Situation durch PCT ersetzt werden.

Für die Auswahl des geeigneten Markers ist vielmehr entscheidend, welche diagnostische Frage beantwortet werden soll: Geht es um den Nachweis und die Verlaufskontrolle einer allgemeinen Entzündungsreaktion oder die Einschätzung einer akuten und möglichen systemischen bakteriellen Infektion?

Was ist CRP?

Das C-reaktive Protein ist ein in der Leber gebildetes Akute-Phase-Protein. Seine Synthese wird im Rahmen entzündlicher Reaktionen insbesondere durch proinflammatorische Zytokine stimuliert. Erhöhte CRP-Konzentrationen können bei infektiösen und nichtinfektiösen Entzündungen, Gewebeschädigungen, nach operativen Eingriffen sowie bei verschiedenen immunologischen und malignen Erkrankungen auftreten.

CRP gilt als empfindlicher, jedoch unspezifischer Marker einer Entzündungsreaktion. Ein erhöhter Wert weist darauf hin, dass ein inflammatorischer oder gewebeschädigender Prozess vorliegen kann. Aus der CRP-Konzentration allein lassen sich jedoch weder die Ursache der Entzündung noch der Infektionstyp zuverlässig bestimmen.

Insbesondere ermöglicht ein einzelner CRP-Wert keine sichere Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen Infektionen. Auch die Lokalisation eines möglichen Infektionsherdes kann daraus nicht abgeleitet werden. Die Interpretation muss deshalb stets unter Berücksichtigung von Anamnese, klinischem Befund, Vitalparametern, Begleiterkrankungen und weiteren diagnostischen Ergebnissen erfolgen.

Aufgrund seiner breiten Verfügbarkeit und etablierten Anwendung eignet sich CRP insbesondere zur:

  • Erfassung einer entzündlichen Aktivität,
  • Unterstützung der klinischen Ersteinschätzung,
  • Verlaufsbeobachtung entzündlicher Erkrankungen,
  • postoperativen Verlaufskontrolle,
  • ergänzenden Beurteilung infektiöser Prozesse und
  • Kontrolle des Ansprechens auf therapeutische Maßnahmen.

Häufig sind serielle Messungen aussagekräftiger als ein isolierter Einzelwert. Die Dynamik kann Hinweise darauf geben, ob eine Entzündungsreaktion zunimmt, persistiert oder rückläufig ist.

Was ist Procalcitonin?

Procalcitonin ist die Vorstufe des Hormons Calcitonin. Unter physiologischen Bedingungen wird es überwiegend in spezialisierten Zellen der Schilddrüse gebildet und rasch weiter verstoffwechselt , sodass im Blut nur sehr geringe PCT-Konzentrationen vorliegen.

Bei ausgeprägten systemischen bakteriellen Infektionen kann es dagegen zu einer verstärkten Procalcitoninbildung in unterschiedlichen Geweben außerhalb der Schilddrüse und der Freisetzung ins Blut kommen. Dadurch steigt die messbare Konzentration im Blut an. Im Vergleich zum CRP weist PCT in bestimmten klinischen Situationen eine engere Assoziation mit systemischen bakteriellen Infektionen auf.

Procalcitonin wird daher insbesondere eingesetzt zur:

  • ergänzenden Beurteilung vermuteter systemischer bakterieller Infektionen,
  • diagnostischen Unterstützung bei möglicher Sepsis,
  • Einschätzung des Krankheitsverlaufs,
  • Beurteilung der Effektivität einer antibiotischen Behandlung und  der Begrenzung der Behandlungsdauer.

Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass PCT die Unterscheidung zwischen bakteriellen und viralen Infektionen unterstützen kann. Ein Anstieg kann beispielsweise auf eine bakterielle Superinfektion hindeuten, muss aber gemeinsam mit klinischen Zeichen und mikrobiologischen Ergebnissen interpretiert werden [2].

Procalcitonin ist kein erregerspezifischer Marker und kein alleiniger Nachweis für eine bakterielle Infektion. Lokal begrenzte Infektionen können mit niedrigen PCT-Werten einhergehen. Umgekehrt sind PCT-Erhöhungen auch bei bestimmten entzündlichen, aber nicht infektiösen Krankheitszuständen möglich.

Was ist der Unterschied zwischen CRP und Procalcitonin?

Der wesentliche Unterschied liegt in der diagnostischen Ausrichtung. CRP reagiert auf ein breites Spektrum inflammatorischer Stimuli. Procalcitonin ist demgegenüber in bestimmten Situationen stärker mit einer systemischen bakteriellen Reaktion verbunden.

Merkmal CRP Procalcitonin (PCT)
Biologischer Marker Akute-Phase-Protein Vorstufe des Hormons Calcitonin
Hauptanwendung Allgemeine Entzündungsdiagnostik und Verlaufskontrolle Hinweis auf systemische bakterielle Infektionen und Unterstützung bei Antibiotikumtherapie
Anstieg Innerhalb von ca. 6–12 Stunden Bereits nach ca. 2–4 Stunden
Maximum Nach etwa 24–48 Stunden Nach etwa 12–24 Stunden
Halbwertszeit Ca. 19 Stunden Ca. 24 Stunden
Besonders geeignet Verlaufskontrolle, unspezifische Entzündungen Sepsis, schwere bakterielle Infektionen
Virale Infektionen Häufig ebenfalls erhöht Oft nur gering oder nicht erhöht
Nichtinfektiöse Entzündungen Häufig erhöht Meist geringer Anstieg, abhängig von der Ursache
Allein ausreichend? Nein Nein
Empfehlung Immer zusammen mit Klinik und weiterer Diagnostik interpretieren Immer zusammen mit Klinik, Mikrobiologie und Leitlinien interpretieren

Die Eigenschaften der Marker sollten nicht isoliert interpretiert  werden. Ihre diagnostische Leistung hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Probenentnahme, vom Infektionsort, von der Schwere der systemischen Reaktion und von patientenspezifischen Einflussfaktoren ab.

CRP in der ambulanten und patientennahen Diagnostik

Die quantitative CRP-Bestimmung ist besonders in Form von patientennahen Schnelltests sinnvoll.

Studien zeigen, dass die gezielte Anwendung von CRP-Point-of-Care-Tests in definierten ambulanten Versorgungssituationen zu einem Rückgang des Antibiotikaeinsatzes beitragen kann [5]. Die Festlegung eines allgemein gültigen Grenzwertes ohne Berücksichtigung des klinischen Befundes des Patienten ist allerdings nicht sinnvoll.

Die CRP-Dynamik ist nicht in jedem Fall mit dem unmittelbaren klinischen Verlauf synchron. Aufgrund der biologischen Schwankungen kann der Laborwert der klinischen Veränderung zeitlich folgen oder umgekehrt.

PCT bei Verdacht auf eine Sepsis und Kontrolle der antibiotischen Therapie

Erhöhte PCT-Werte können zusätzliche diagnostische Informationen liefern, wenn eine systemische bakterielle Infektion vermutet wird und Sepsisgefahr besteht.

Eine Sepsis ist eine lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Reaktion auf eine Infektion. Ihre Diagnose beruht nicht auf einem einzelnen Laborparameter. Entscheidend sind die klinische Beurteilung, Hinweise auf eine Infektion, das Vorliegen von Organdysfunktionen sowie eine zeitnahe mikrobiologische, laborchemische und gegebenenfalls bildgebende Diagnostik.

Ein niedriger Procalcitoninwert schließt eine bakterielle Infektion nicht sicher aus. Dies gilt unter anderem für frühe Krankheitsphasen und lokal begrenzte Infektionen. Daher darf eine medizinisch dringliche Diagnostik oder Behandlung nicht allein aufgrund eines niedrigen PCT-Wertes unterlassen werden.

Die aktuelle S3-Leitlinie zur Sepsis betont, dass eine notwendige antibiotische Behandlung bei Sepsis oder septischem Schock nicht durch das Abwarten eines Biomarkerergebnisses verzögert werden darf [1]. Ein normaler oder niedriger PCT-Wert ist kein hinreichendes Argument gegen eine erforderliche Akuttherapie.

Ein besonders relevantes Einsatzgebiet von PCT ist die Unterstützung bei der Begrenzung der Dauer einer bereits eingeleiteten antibiotischen Therapie.

Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt bei Patientinnen und Patienten mit Sepsis oder septischem Schock die Messung von Serum-Procalcitonin, um die Dauer der antibiotischen Therapie zu begrenzen, sofern eine adäquate Infektionskontrolle erreicht wurde. Ausgenommen sind unter anderem Infektionen, die grundsätzlich eine länger dauernde Behandlung erfordern, beispielsweise eine Staphylococcus-aureus-Bakteriämie, Endokarditis oder Candidämie [1].

Auch die US-amerikanische Food and Drug Administration hat eine PCT-Messung als Hilfsmittel für das Antibiotikamanagement bei bestimmten unteren Atemwegsinfektionen und bei Sepsis bewertet. Die FDA betont dabei die Verwendung innerhalb eines klinischen Algorithmus und in Verbindung mit weiteren Befunden [4].

CRP oder PCT bei Atemwegsinfektionen?

Akute Atemwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Anlässen für diagnostische Entscheidungen über den Einsatz von Antibiotika. Viele unkomplizierte Atemwegsinfektionen sind viral bedingt. Gleichzeitig müssen bakterielle Pneumonien und schwere Verläufe zuverlässig erkannt werden.

CRP kann im ambulanten Kontext eine zusätzliche Orientierung geben, wenn die klinische Einschätzung keine eindeutige Entscheidung erlaubt. Der Nutzen liegt nicht in einer isolierten Zuordnung „viral oder bakteriell“, sondern in der Ergänzung einer strukturierten Anamnese und Untersuchung.

PCT kann vor allem bei schwereren Krankheitsbildern, stationären Behandlungen und der Frage nach einer relevanten systemischen bakteriellen Beteiligung hilfreich sein. Bei unkomplizierten ambulanten Atemwegsinfektionen ist eine routinemäßige PCT-Bestimmung hingegen nicht in jeder Situation erforderlich.

In beiden Fällen bleiben klinische Warnzeichen entscheidend. Dazu gehören unter anderem:

  • Dyspnoe oder Tachypnoe,
  • beeinträchtigte Oxygenierung,
  • Hypotonie oder Kreislaufinstabilität,
  • Bewusstseinsveränderungen,
  • ausgeprägte Allgemeinzustandsverschlechterung,
  • schwere Begleiterkrankungen und
  • Hinweise auf eine Organfunktionsstörung.

Biomarker dürfen eine erforderliche weiterführende Diagnostik nicht ersetzen oder verzögern.

Sollten CRP und PCT gemeinsam bestimmt werden?

Die kombinierte Bestimmung kann bei komplexen klinischen Situationen zusätzliche Informationen liefern. Das Robert Koch-Institut führt CRP und PCT gemeinsam mit Blutbild, Laktat, Vitalparametern und Fokussuche als mögliche Bestandteile der diagnostischen Abklärung auf [3]. Beide Biomarker müssen somit in ein übergeordnetes diagnostisches Konzept eingebunden werden.

Ein möglicher Vorteil liegt in der kombinierten Interpretation:

  • Ein erhöhtes CRP bei niedrigem PCT kann unter anderem bei lokal begrenzten Infektionen, frühen Krankheitsphasen oder nichtinfektiösen Entzündungen auftreten.
  • Ein deutlicher PCT-Anstieg kann bei passender Klinik den Verdacht auf eine relevante systemische bakterielle Infektion unterstützen.
  • Parallele Verlaufswerte können helfen, Veränderungen der inflammatorischen Gesamtsituation differenzierter zu beurteilen.

Diskordante Ergebnisse sind jedoch nicht automatisch widersprüchlich. Sie können auf unterschiedliche Kinetiken, Messzeitpunkte oder pathophysiologische Prozesse zurückzuführen sein. In solchen Fällen sollte nicht versucht werden, einen Marker gegen den anderen auszuspielen. Vielmehr ist zu prüfen, welcher Wert zur klinischen Fragestellung und zum zeitlichen Verlauf passt.

Welche Grenzen haben CRP und Procalcitonin?

CRP kann unter anderem erhöht sein bei  Autoimmun- und rheumatologischen Erkrankungen, operativen Eingriffen, Traumata und Verbrennungen,  Gewebsnekrosen,  chronisch-entzündlichen Erkrankungen und  malignen Erkrankungen. Dadurch ist die Spezifität eines erhöhten CRP-Wertes eingeschränkt.

Auch Procalcitonin ist nicht vollständig spezifisch. Erhöhte Konzentrationen können unter anderem im Zusammenhang mit schweren Traumata, großen Operationen, Verbrennungen, ausgeprägten Schockzuständen oder bestimmten Organfunktionsstörungen auftreten.

Besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion kann die Interpretation erschwert sein. In solchen Situationen sind Ausgangsniveau, klinischer Zusammenhang und Verlauf zu berücksichtigen [6].

Niedrige CRP- oder PCT-Werte schließen eine relevante Infektion nicht mit absoluter Sicherheit aus. Mögliche Gründe sind:

  • eine sehr frühe Probenentnahme,
  • eine lokal begrenzte Infektion,
  • eine abgeschwächte Immunreaktion,
  • bestimmte Infektionsherde oder Erreger und
  • eine bereits begonnene Therapie.

Ein Laborwert muss deshalb immer in Zusammenhang mit dem klinischen Befund beurteilt werden.

Warum sind Verlaufswerte häufig wichtiger als Einzelmessungen?

Ein Einzelwert ist eine Momentaufnahme. Entzündungsmarker verändern sich dynamisch, während sich eine Infektion oder inflammatorische Erkrankung entwickelt und auf eine Behandlung reagiert.

Serielle Messungen können insbesondere folgende Fragen unterstützen:

  • Nimmt die inflammatorische Aktivität zu oder ab?
  • Passt die Entwicklung zum klinischen Verlauf?
  • Gibt es Hinweise auf eine persistierende Infektion?
  • Muss nach einem nicht kontrollierten Infektionsfokus gesucht werden?
  • Kann eine antibiotische Therapie innerhalb eines validierten Konzepts begrenzt werden?

Bei PCT kann die Dynamik zur Unterstützung der Beendigung einer Antibiotikatherapie genutzt werden, sofern die klinischen Voraussetzungen erfüllt sind [1]. Für CRP kann der Verlauf ebenfalls wichtige Informationen liefern, allerdings ist die Reaktion häufig zeitlich verzögert.

Weder ein sinkender noch ein steigender Wert sollte ohne Berücksichtigung der klinischen Entwicklung interpretiert werden.

Point-of-Care-Bestimmung von CRP und PCT mit BIOspeed

Die Point-of-Care-Diagnostik ermöglicht quantitative Laboruntersuchungen in unmittelbarer Nähe zur medizinischen Versorgung. Dadurch können diagnostisch relevante Ergebnisse ohne den vollständigen Transport- und Bearbeitungsweg eines Zentrallabors verfügbar werden.

BIOMED bietet mit dem BIOspeed Single und dem BIOspeed Multi zwei kompakte Immunfluoreszenz-Analysegeräte für die quantitative Bestimmung verschiedener Parameter an.

Der BIOspeed Single verarbeitet jeweils eine Testkassette und eignet sich insbesondere für Einrichtungen mit einem überschaubaren Probenaufkommen. Der BIOspeed Multi kann bis zu sechs Patientenproben beziehungsweise Parameter parallel auswerten. Beide Systeme arbeiten mit einem zeitaufgelösten Fluoreszenz-Immunoassay.

Für die Bestimmung der in diesem Fachartikel behandelten Biomarker stehen folgende Testkits zur Verfügung:

Quantitative CRP-Bestimmung

Das CRP-Schnelltestkit für BIOspeed ist für die quantitative Bestimmung von CRP und hsCRP vorgesehen. Als Probenmaterialien können humanes Serum, Plasma, Kapillarblut und Vollblut eingesetzt werden. Das Testkit ist mit BIOspeed Single und BIOspeed Multi verwendbar.

Quantitative PCT-Bestimmung

Das PCT-Schnelltestkit für BIOspeed dient der quantitativen Bestimmung von Procalcitonin in humanem Serum, Plasma und Vollblut. Es ist als diagnostisches Hilfsmittel bei der Beurteilung systemischer bakterieller Infektionen und einer Sepsis vorgesehen und kann ebenfalls mit beiden BIOspeed-Ausführungen verwendet werden.

Weitere Analysegeräte, Testkits und Zubehör sind in der BIOMED-Kategorie Point-of-Care-Analysegeräte und Zubehör zusammengefasst.

Die patientennahe Verfügbarkeit eines Messwertes verändert nicht dessen medizinische Bedeutung. Auch POCT-Ergebnisse müssen entsprechend der Zweckbestimmung, der jeweiligen Gebrauchsanweisung, dem klinischen Kontext und den geltenden Anforderungen an die Qualitätssicherung interpretiert werden.

Zusammenfassung: CRP und/ oder Procalcitonin: Welcher Marker bei welcher Fragestellung?

CRP ist häufig sinnvoll, wenn …

  • eine allgemeine entzündliche Aktivität erfasst werden soll,
  • eine breit einsetzbare Unterstützung der klinischen Beurteilung benötigt wird,
  • der Verlauf einer Entzündung beobachtet werden soll,
  • ein postoperativer oder therapeutischer Verlauf kontrolliert wird oder
  • im ambulanten Kontext eine zusätzliche diagnostische Orientierung erforderlich ist.

Procalcitonin ist häufig sinnvoll, wenn …

  • eine systemische bakterielle Infektion vermutet wird,
  • eine Sepsis oder ein septischer Schock differenzialdiagnostisch berücksichtigt wird,
  • der Verlauf einer schweren bakteriellen Infektion beurteilt werden soll oder
  • die Dauer einer antibiotischen Therapie innerhalb eines geeigneten klinischen Algorithmus begrenzt werden soll.

Beide Marker können sinnvoll sein, wenn …

  • eine komplexe oder schwere klinische Situation vorliegt,
  • allgemeine Entzündungsaktivität und bakterielle Systemreaktion differenziert betrachtet werden sollen,
  • die Werte im Verlauf gemeinsam mit weiteren Befunden beurteilt werden oder
  • diskordante klinische und laborchemische Ergebnisse eingeordnet werden müssen.

Fazit: CRP und PCT sind komplementäre Biomarker

CRP und Procalcitonin beantworten unterschiedliche diagnostische Fragen. CRP ist ein breit etablierter Marker für inflammatorische Prozesse und eignet sich insbesondere zur Erfassung und Verlaufskontrolle einer allgemeinen Entzündungsaktivität. Seine Aussagekraft hinsichtlich der Ätiologie ist jedoch begrenzt.

Procalcitonin bietet vor allem bei vermuteten systemischen bakteriellen Infektionen, schweren Krankheitsverläufen und im Rahmen definierter Antibiotic-Stewardship-Strategien zusätzliche Informationen. Auch PCT kann eine bakterielle Infektion oder Sepsis weder allein bestätigen noch sicher ausschließen.

Die Entscheidung zwischen CRP und Procalcitonin sollte daher von der klinischen Fragestellung abhängen. In ausgewählten Situationen kann die kombinierte Bestimmung sinnvoll sein. Maßgeblich bleiben jedoch Anamnese, klinische Untersuchung, Vitalparameter, Organfunktionen, mikrobiologische Diagnostik, Bildgebung und der zeitliche Verlauf.

Mit BIOspeed Single und BIOspeed Multi sowie den quantitativen CRP- und PCT-Testkits bietet BIOMED professionelle Point-of-Care-Lösungen für die zeitnahe Bestimmung beider Marker.

Literatur und Quellen

[1] Deutsche Sepsis-Gesellschaft e. V. et al.

S3-Leitlinie Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge. Update 2025.* AWMF-Registernummer 079-001. Insbesondere Kapitel 3.2 bis 3.5 zur antimikrobiellen Therapie und zur PCT-gestützten Begrenzung der Therapiedauer.

[AWMF-Leitlinie als PDF](https://register.awmf.org/assets/guidelines/079-001l_S3_Sepsis-Praevention-Diagnose-Therapie-Nachsorge_2025-07.pdf)

[2] Robert Koch-Institut, Fachgruppe COVRIIN.

Biomarker bei COVID-19 – Hinweise zur Interpretation von Procalcitonin bei möglicher bakterieller Superinfektion.* Das Dokument betont die gemeinsame Beurteilung von PCT, klinischen Zeichen und mikrobiologischer Diagnostik.

[RKI-Dokument als PDF](https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Biologische-Gefahren/COVRIIN/Downloads/Biomarker_covid19.pdf?__blob=publicationFile&v=1)

[3] Robert Koch-Institut.

Sepsis – Hilfen für Prävention und Früherkennung.* Infografik zu klinischer Beurteilung, Vitalparametern, CRP, PCT, Blutbild, Laktat und Fokussuche. Stand März 2019.

[RKI-Infografik als PDF](https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/S/Sepsis/Infografik_eineSeite.pdf?__blob=publicationFile&v=2)

[4] U.S. Food and Drug Administration.

FDA clears test to help manage antibiotic treatment for lower respiratory tract infections and sepsis.* Mitteilung zur Nutzung von Procalcitonin als Hilfsmittel für das Antibiotikamanagement innerhalb einer klinischen Gesamtbeurteilung.

[FDA-Mitteilung](https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-clears-test-help-manage-antibiotic-treatment-lower-respiratory-tract-infections-and-sepsis)

[5] Deutsches Ärzteblatt.

CRP-Schnelltest vermindert Antibiotika-Gebrauch bei Atemwegsinfektionen.* Bericht zur Nutzung von CRP-Point-of-Care-Tests bei Atemwegsinfektionen und zum Einfluss auf Antibiotikaverordnungen.

[Beitrag im Deutschen Ärzteblatt](https://www.aerzteblatt.de/news/crp-schnelltest-vermindert-antibiotika-gebrauch-bei-atemwegsinfektionen-47259567-e7f1-4935-967e-f8c1e90c5549)

[6] Springer Medizin.

Procalcitonin: Ein Biomarker muss stets im klinischen Kontext interpretiert werden.* Fachliche Darstellung möglicher nichtinfektiöser PCT-Erhöhungen und potenzieller Fehlinterpretationen, unter anderem bei eingeschränkter Nierenfunktion.

[Originalbeitrag bei Springer](https://link.springer.com/article/10.1007/s15006-026-5949-0)

2026-08-20T12:00:30+02:00August 20th, 2026|Kategorien: Unkategorisiert|Kommentare deaktiviert für CRP oder Procalcitonin (PCT): Wann ist welcher Marker sinnvoll?